Dreisam ... Zweisam ... Einsam

Dreisam ... Zweisam ... Einsam


Jetzt mal ein Thema, was mich arg beschäftigt. Einsamkeit - trotz Freunde, Mann, Kinder, Hobbies und manchen Treffen mit Freunden.
 
Ich erzähl euch einfach mal was wie ich es empfinde. Und was für mich noch schmerzhafter ist - wie es meinem Sohn damit geht. 

Wir sind vor fast 7 Jahren in diesen Ort gezogen, wo wir jetzt wohnen. Wir kannten hier niemanden, aber wir haben uns in diese Wohnung verliebt (ok, das Dach könnte ruhig mal gedämmt werden, aber ansonsten ist die Wohnung ein Traum, relativ groß, sehr offen und weit und das Schlafzimmer befindet sich oben). Die Nachbarn sind nett, obwohl wir die einzigen sind mit kleinen Kindern. Wir haben alle nicht so viel miteinander zu tun, aber wenn man sich sieht unterhält man sich nett, wir nehmen gegenseitig die Pakete und Päckchen an, stellen die Mülltonnen auch raus obwohl man gerade vielleicht mal nicht dran ist oder übernimmt diese Rolle dann halt mal wenn eine Nachbarin mal für ein paar Wochen aus irgendwelchen Gründen ausfällt. Kurz - wir hätten es mit unseren Nachbarn wesentlich schlimmer treffen können (hatten wir im alten Haus auch). Wir fühlen uns hier im Ort zuhause und möchten auch hier bleiben. 

Aber - und jetzt kommt das große Aber - es ist eben so wie es immer ist (oder zumindest sehr häufig) wenn man woanders hinzieht wo man niemanden kennt. Man kommt in eine große Gemeinschaft, man versucht sich zu integrieren, Kontakte zu finden - und muss feststellen dass es alles andere als leicht ist, in eine bereits bestehende Gemeinschaft mit einbezogen zu werden. Man kennt keinen, man wird als "die Neuen" erstmal komisch angeguckt. Evtl sogar einfach auch ignoriert. 

In der Grundschule bei meinem Großen konnte ich kaum Kontakte knüpfen, geschweige denn zu jedem Elternabend o. Ä. hingehen, weil wir niemanden als Babysitter hatten und mein Mann nun mal zu den Schichtarbeitern gehört. Und grundsätzlich - wirklich immer - waren diese Elternabende dann wenn er Spät- oder Nachtschicht hatte. 

Im Kindergarten bei meinem Mittleren fand ich eine Gruppe Eltern, wo ich mir hätte vorstellen können dazuzugehören. Ich wurde teilweise bei Gesprächen ganz gut mit integriert und einbezogen. Das fand ich toll und ich hatte mich schon gefreut evtl neue Freundschaften schließen zu können. Zu früh gefreut. Ich fiel hochschwanger die Treppe runter und lag dann mit Bänderriss und Knochenabsplitterung erstmal 4 Monate flach. In dieser Zeit konnte mein Mittlerer leider nur alle 2 Wochen in den Kiga gehen, wenn mein Mann Spätschicht hatte (Nachtschicht war da gerade nicht so dringend), dann konnte er ihn bringen und abholen. Wenn er Frühschicht hatte konnte ihn niemand in den Kiga bringen. Leider.

Diese Zeit hat uns beiden - meinem Mittleren und mir - nicht gut getan, wir haben die Chancen verpasst uns richtig einfügen zu können. Als ich wieder einigermaßen laufen konnte - und mein Kleinster dann auch schon auf der Welt war - konnte mein Mittlerer endlich wieder regelmäßig in den Kiga. Ich hatte mich anfangs gefreut wieder mit den Müttern draußen zu stehen und zu quatschen, musste aber sehr schnell einsehen dass ich nicht dazu gehörte. In diesen 4 Monaten hatte sich die Cliquenzugehörigkeit bei ihnen verstärkt, was ihnen leicht fiel da sie sich - oder zumindest manche sich - schon länger kannten. Ich wurde nicht mehr wirklich mit einbezogen in Gespräche und schon bald stellte ich mich auch gar nicht mehr mit dahin. Bei anderen Müttern war es ähnlich. Ich hatte eben diesen blöden Unfall gerade in der Anfangszeit, als sich die Gruppen noch am bilden waren. Jeder weiß dass es danach so gut wie unmöglich ist irgendwo richtig Anschluss zu finden. Das finde ich bis heute sehr schade.
Klar, ich unterhalte mich mit allen Müttern im Kiga, das ist nicht das Problem. Freu ich mich auch jedesmal drüber. Aber zum Kaffee trinken oder frühstücken oder am WE abends mal nen Spieleabend oder was auch immer werde ich nicht eingeladen. Ich selbst habe zwei oder drei Mal eine Mutter eingeladen, aber jedes Mal wurde abgesagt. Mit einer anderen Mutter, die ich sehr nett finde, würde ich mich gerne nachmittags auch mal treffen, wir hatten es auch schon öfter vor, aber immer kam was anderes dazwischen leider. 

Tja und wie sich das auf meinen Mittleren auswirkt kann sich wohl jeder vorstellen.  Er geht sehr gerne in den Kiga, er spielt total gerne mit den anderen Kindern. Auch auf dem Spielplatz geht er schnell auf andere Kinder zu und spielt mit ihnen. Wenn er dann tatsächlich zufällig mal welche aus seiner Gruppe sieht freut er sich immer wie ein kleiner Schneekönig und ich freue mich dann immer wenn er mit ihnen auf dem Spielplatz spielen kann. 

Die anderen Kinder verabreden sich untereinander oft für nachmittags. Ich höre es in den Gesprächen, wenn sie beim Abholen ihre Eltern fragen ob sie nachmittags Zeit haben und mit dem oder dem spielen können. Mein Mittlerer steht dann auch oft traurig daneben. Denn niemand fragt ihn mal zum Spielen für nachmittags. Wenn er mal jmd fragt heißt es meist sie sind schon verabredet. Es ist nicht so dass er nicht beliebt sei, lt. den Erzieherinnen sei er durch sein offenes und freundliches Wesen schon beliebt und würde von allen gemocht. Aber anscheinend nicht so dass sich enge Freundschaften entwickeln, die außerhalb des Kigas Bestand hätten. In den ganzen fast drei Jahren, die er jetzt im Kiga ist, bekam er genau zwei Mal ein Freundschaftsbuch zum reinschreiben. Er wurde bisher nur auf einen einzigen Geburtstag eingeladen, und da hat er sich so sehr drauf gefreut und er hatte so viel Spaß an dem Tag da.  Auf seinen eigenen Geburtstag kam letztes Jahr leider nur ein geladener Gast vom Kiga, dieses Jahr kam sogar gar keiner aus dem Kiga (weil sie schon verabredet waren oder sonstwie keine Zeit hatten oder evtl auch nicht wollten). Gsd hatte ich vorsichtshalber noch ein befreundetes Ehepaar mit ihren Kindern eingeladen, die dann auch an dem Tag kamen. Sonst wäre niemand da gewesen. Selbst so war er schon unheimlich traurig dass aus dem Kiga kein Kind kam. Er tat mir so unendlich leid und es hat mir so weh getan ihn vor lauter Enttäuschung abends im Bett weinen zu sehen. 

Ich wünschte so sehr dass ich etwas ändern könnte. Dass die Eltern und Kinder nicht einfach nur oberflächlich freundlich sind, sondern dass sie es einem einfach mal ein wenig leichter machen in bestimmten Gruppen Anschluss zu finden. Natürlich sind wir oft draußen und auch auf dem Spielplatz (auf einem der vier oder fünf hier im Ort), aber es ist eben nicht dasselbe als wenn wir uns mit Eltern treffen zum Spielen nachmittags, wo man sich einfach richtig für verabredet. (Noch so eine Sache, die nervig ist ... Spontanität gibt es wohl kaum noch leider, man muss mittlerweile selbst bei Freunden (und ich habe gerade eine Handvoll gute Freunde) Termine für in ein bis zwei oder drei Wochen ausmachen, weil einfach jeder so viel zu tun hat und viele Termine anstehen (ist bei  mir ja oft nicht anders leider).) 

Mit meinem Kleinsten bin ich in einer Spielgruppe, er kommt ja erst nächstes Jahr in den Kiga. Vielleicht entwickelt sich in dieser Spielgruppe etwas, was man vielleicht irgendwann mal als Freundschaft bezeichnen kann. Vielleicht aber auch nicht, abwarten. Für den Anfang würde es mir schon reichen wenn man sich einfach ab und zu auch außerhalb der Spielgruppe mal treffen könnte, damit die Kleinen auch weiterhin zusammen spielen können und ich so auch bessere Kontakte knüpfen kann. Wir werden sehen. Das gemeinsame Pizzaessen war auf jeden Fall schonmal sehr gut.  

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie es mit meinem Mittleren weitergeht. Ich wünsche mir so sehr für ihn dass er endlich auch tolle Freunde findet, die auch nachmittags mit ihm spielen möchten. Auf jeden Fall werde ich für meinen Sohn nicht aufgeben und einfach weiterhin versuchen für nachmittags auch mal Verabredungen für ihn zu finden. 


Habt ihr Tipps? 

Eure Ally

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